Marjatta
Die «Marjatta» ist ein musikalisch-eurythmischer Reigen, der seit vielen Jahrzehnten im Institut Eckwälden in der Adventszeit mit den Kindern der ersten drei Klassen gepflegt wird.
Die Ursprünge der «Marjatta» sind in den Anfängen der anthroposophischen Heilpädagogik auf dem Sonnenhof in Arlesheim/Schweiz zu suchen. Damals fanden sich jüngere und ältere Menschen aus aller Welt zusammen, um sich dem neuen, beginnenden Kulturimpuls, der Anthroposophie, anzuschließen. Hierbei handelte es sich vor allem um Künstler, Ärzte, Therapeuten und Pädagogen. Als Frucht dieser engen und innigen Zusammenarbeit entstand ca. 1930 «Marjatta» als ein erweitertes Element der sogenannten «Erbauungsstunde» für die Advents- und Weihnachtszeit. Im Zentrum dieses Reigens stand die Vertonung der 50. Rune (Gesang) aus dem finnischen Nationalepos „Kalevala“ von Edmund Pracht. Die eurythmischen Gebärden hierfür entwickelte Edith Kirchner. Im Wesentlichen geht es bei dem Reigen um ein rhythmisches Schwingen, welches der Erwachsene mit dem Kind vollzieht, um es in ein ruhiges Atmen zu bringen, in eine innige Stimmung, die auf die Christgeburt vorbereitet.
Im Inhalt der Marjatta-Rune finden sich Anklänge an die Jesus-Geburt im Stall zu Betlehem: Ein junges Mädchen bringt in einem Stall ein Kindlein zur Welt. Sie herzt und wiegt es und bürstet ihm die Haare. Da gleitet das Kind von ihrem Schoße und verschwindet. Sie beginnt es überall zu suchen: unter den Büschen und an den Wurzeln der Bäume. Das Kind bleibt jedoch spurlos verschwunden. Da macht sie sich zur Sternenwelt auf, um es dort zu finden. Es begegnen ihr ein Stern und dann der Mond, aber beide können ihr nicht helfen, sie weisen sie sogar kalt und herzlos ab. Schließlich kommt sie zur Sonne, die mit ihren Strahlen alles beleuchtet und gesehen hat, dass das Kindlein in der Erde versunken ist und Marjatta es nur dort suchen und herausziehen müsse. Schließlich findet und befreit Marjatta ihr Kindlein aus dem Sumpf in dem es steckt und wiegt und herzt es wie zuvor.
«Marjatta» wurde vor allem für Kinder um das 9. Lebensjahr entwickelt, da sich in diesem Lebensalter ein Bewusstseinswandel des Kindes, das „Ich-Erleben“ (Rubikon), vollzieht. Es scheint, als wären die Mauern der Welt (die innere Phantasiewelt) des Kindes eingebrochen bzw. durchsichtig geworden. Nun sieht das Kind auch die „andere Welt“, die reale Welt. Das Kind fühlt sich wie aus dem Paradies gestoßen. Halbbewusst fühlt es das Abgeschnittensein vom Kosmos und ein Gefangensein in einer durch die Körperlichkeit begrenzten Welt. Das Kind ist in diesem Lebensalter meist ganz nach innen gekehrt. Therapeutisch versucht «Marjatta» diesem Geschehen vor allem durch eine Harmonisierung der Atmung entgegen zu wirken, bzw. das Kind in diesem Entwicklungsprozess zu unterstützen.
Der Ablauf mit den Kindern
Die Kinder (aus den ersten drei Klassen) treffen ihren erwachsenen Begleiter nach der Morgenandacht vor dem Festsaal und nehmen dann im Vorraum im Stuhlkreis erst einmal Platz. Wenn alle versammelt sind geht man als Paar in den von Kerzen erleuchteten Festsaal und bildet zu den Klängen der Leier einen Kreis. Dann trägt der Sänger die Geschichte vor, wozu die erübten Bewegungen gestaltet werden. Wenn die Rune zu Ende ist gehen die Kinder mit ihren Begleitern ebenfalls zu den Klängen der Leier wieder in den Vorraum auf ihre Plätze.